Die meisten Baustoffe sind porös und bestehen aus einem Netz feiner Kapillarröhrchen. Steht ein solcher Baustoff mit Wasser in Berührung, so saugt er sich wie ein Schwamm mit Wasser voll. Ziegel, Kalksandsteine und Mörtel sind besonders saugfähig.
Seine wärmedämmende Fähigkeiten erhält ein Ziegel aufgrund seiner Luftporen. Diese wirken als Dämmpolster. Sind die Poren mit Wasser gefüllt, so geht die Dämmwirkung fast vollständig verloren: bereits eine Feuchtigkeitsaufnahme von 4% kann die Wärmedämmung um die Hälfte reduzieren! Eine feuchte Mauer hat also nur einen Bruchteil der Wärmedämmung einer trockenen Mauer.
1975 fand man die Lösung zur Mauertrockenlegung: das HW-System. Gewellte Platten aus 1,5 mm starkem, nichtrostendem Edelstahl werden mit Spezialmaschinen waagerecht in die Mauerfuge geschlagen und seitlich überlappt. Infolge dieser Sperrschicht kann die Feuchtigkeit nicht mehr kapillar aufsteigen. Mauerwerk, das über der Sperre liegt, trocknet schnell aus. Die Edelstahlplatten wirken wie eine waagerechte Spundwand. Das HW-Verfahren hat den Vorteil, dass das Trennen und Abdichten in einem Arbeitsgang durchgeführt wird, ohne die Mauer zu öffnen. Die spitzen HW-Edelstahlplatten werden mit Presslufthämmern mit einem Eigengewicht von 20-40 kg und einer Schlagfrequenz von 1100-1450 Schläge/min. durch die Mauerfuge oder auch durch den Ziegel getrieben, ohne den Kraftfluß in der Mauer zu unterbrechen. Ein Absetzen der Mauer (Bildung von Setzungsrissen) ist nicht möglich, da beim Einschlagen der Platten das Mörtelband um 10-20% verdichtet wird. Die patentierten HW-Edelstahlplatten mit Spitze dringen schonender in das Mauerwerk ein. Durch die Keilwirkung kommt es zu einer Erhöhung der Einschlaggeschwindigkeit und zu einer Verminderung der Reibung.
Die Korrosionsbeständigkeit der Edelstahl-Isolierplatten gegen Mauersalze und andere chemische Bestandteile im Mauerwerk ist durch die Wahl des richtigen Werkstoffes gewährleistet: Chromstahl, Werkstoff-Nr. 1.4016, Chrom-Nickel, Werkstoff-Nr. 1.4301 oder Chrom-Nickel-Molybdän, Werkstoff-Nr. 1.4401, 1.4436, 1.4571.
Das HW-System kann bei allen Ziegelmauern angewandt werden. Bei Misch- und Steinmauern ist eine durchgehende Lagerfuge erforderlich. Die Edelstahlplatten können sowohl von außen als auch von innen eingeschlagen werden.
Eine frühestmögliche Herstellung der Sperre vor allen anderen Arbeiten ist ratsam, um die Mauern vor neuerlichem Verputz richtig austrocknen zu lassen. Zumindest einseitig sollte die Mauer einige Monate unverputzt gelassen werden.
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